Gemeinsame Tour? Fast!
Pilzsuche mit Fernsteuerung: Axel, der Algorithmus und die Sache mit den Steinpilzen 🍄
Manchmal geht man allein in den Wald, um Pilze zu suchen. Und manchmal geht man allein in den Wald und hat plötzlich das Gefühl, man wäre mit jemandem unterwegs. Willkommen bei meiner etwas anderen Pilzwanderung in den Harburger Bergen.
Allein im Wald – zumindest körperlich
Mein Ziel war klar: Steinpilze finden. Die Harburger Berge sollten es sein, ein schönes Waldgebiet, das durchaus einiges zu bieten hat. Die Bedingungen schienen hervorragend, und auch die Vorfreude stimmte. Also Rucksack gepackt, Pilzmesser eingesteckt und losgezogen.
Nur mit den Steinpilzen wollte es zunächst nicht so recht klappen.
Irgendwann kam dann Axel ins Spiel. Nicht persönlich, versteht sich. Der steckte irgendwo ganz woanders und war trotzdem plötzlich mit dabei – über WhatsApp, Telefon und unsere gemeinsame Begeisterung für Pilze.
Axel betreibt Waldschatzfinder.de, eine Seite, die mithilfe eines Algorithmus interessante Gebiete für die Pilzsuche ausfindig macht. Und was lag da näher, als das Ganze einmal praktisch auszuprobieren? Ich draußen im Wald, Axel am anderen Ende der Leitung und dazwischen sein Algorithmus, der mir verraten sollte, wo sich ein genauerer Blick lohnen könnte.
Kurz gesagt: Pilzsuche mit Fernsteuerung.
„Geh mal da hin. Ich schicke dir Koordinaten.“
Von da an wurde es ziemlich unterhaltsam. Axel schickte mir GPS-Koordinaten per WhatsApp, an denen er aufgrund seiner Berechnungen interessante Funde vermutete. Ich machte mich auf den Weg, schaute mir die Stellen an und gab Rückmeldung, was ich vor Ort tatsächlich vorfand.
Das hatte schon etwas von einer kleinen Schatzsuche. Nur dass der Schatz nicht vergraben war, sondern sich im besten Fall irgendwo zwischen Moos, Laub und Baumwurzeln versteckte.
Und tatsächlich: Pilze gab es reichlich!

Ich fand Maronen, Krause Glucken und jede Menge anderer Pilze. Dazu kamen zahlreiche Zeigerpflanzen und Zeigerpilze, die gut zu den vermuteten Standortbedingungen passten. Die ökologischen Hinweise waren also durchaus stimmig. Der Wald lieferte genau die Signale, die man sich für eine erfolgversprechende Pilzsuche wünscht.
Der Algorithmus schien seinen Job zu machen.
Nur einer hatte offenbar andere Pläne: der Steinpilz.
Alles richtig – und trotzdem kein Steinpilz
So langsam wurde es beinahe komisch. Die Bedingungen waren gut, die Standorte wirkten vielversprechend, die Zeiger passten – und trotzdem wollte sich kein einziger Steinpilz zeigen.
Natürlich gibt es dafür verschiedene mögliche Erklärungen. Vielleicht waren die passenden Fruchtkörper bereits von anderen Sammlern entdeckt worden. Vielleicht lag der entscheidende Unterschied im Mikrohabitat, also in den ganz konkreten Bedingungen auf wenigen Quadratmetern. Oder das Zeitfenster für die Fruktifikation war schlicht nicht optimal.
Denn so gut sich geeignete Standorte auch eingrenzen lassen: Pilze halten sich nicht an unsere Wunschlisten. Ein vielversprechendes Habitat ist eben noch lange keine Garantie für einen Steinpilz im Körbchen.

Das macht die Sache aber auch spannend. Genau hier treffen Algorithmen, ökologische Zusammenhänge und die Realität im Wald aufeinander. Und manchmal zeigt sich eben auch, wo die Vorhersage an ihre Grenzen stößt.
Wir hatten jedenfalls genügend andere Funde, um nicht mit leeren Händen nach Hause zu gehen. Und Gesprächsstoff gab es sowieso.
Das eigentlich Spannende war gar nicht der Pilz
Was mich im Nachhinein fast am meisten überrascht hat, war gar nicht die Frage, ob der Algorithmus den perfekten Steinpilzstandort findet.
Es war das Format selbst.
Obwohl Axel gar nicht neben mir stand, hatte ich irgendwann tatsächlich das Gefühl, mit ihm gemeinsam durch den Wald zu laufen. Wir haben über mögliche Fundstellen gesprochen, Standorte eingeschätzt, Funde diskutiert und gemeinsam überlegt, wo sich der nächste Abstecher lohnen könnte.
Ich war zwar allein zwischen den Bäumen unterwegs, aber gefühlt waren wir zu zweit auf Pilzsuche.
Das Ganze war nicht nur praktisch, sondern auch ausgesprochen amüsant. Es entstand eine Art virtuelle Pilzwanderung, bei der einer draußen die Augen offen hielt und der andere aus der Ferne versuchte, die richtigen Hinweise zu liefern. Ein bisschen Feldforschung, ein bisschen Schatzsuche und eine ordentliche Portion Pilzverrücktheit.
Und ganz ehrlich: Das hat richtig Spaß gemacht.
Lust auf eine virtuelle Pilzwanderung?

Aus dieser Tour nehmen wir vor allem eine Erkenntnis mit: Man muss nicht unbedingt nebeneinander durch den Wald laufen, um gemeinsam Pilze zu suchen.
Vielleicht habt ihr ja auch Lust, so etwas einmal auszuprobieren. Ihr seid draußen unterwegs, wir begleiten euch virtuell, schauen gemeinsam auf mögliche Fundstellen und überlegen, welche Bereiche besonders interessant sein könnten. Je nach Situation über WhatsApp, Telefon und GPS-Koordinaten.
Natürlich können wir keine Steinpilze herbeizaubern. Und auch der beste Algorithmus kann nicht versprechen, dass an einer bestimmten Stelle tatsächlich ein Fruchtkörper steht. Aber genau das macht die Suche doch aus: beobachten, ausprobieren, dazulernen und sich über jeden Fund freuen.
Und wenn am Ende kein Steinpilz im Korb liegt, dafür aber eine gute Geschichte entsteht, war es vielleicht trotzdem ein ziemlich erfolgreicher Tag.
Unser Fazit aus den Harburger Bergen: Der Steinpilz hat sich erfolgreich vor uns versteckt. Der Algorithmus hat viele seiner Hausaufgaben gemacht. Und Axel und ich hatten das Gefühl, gemeinsam im Wald gewesen zu sein, obwohl uns einige Kilometer getrennt haben.
Wenn ihr also irgendwann Lust habt, uns auf einer Pilztour virtuell mitzunehmen, meldet euch gern. Vielleicht gehen wir beim nächsten Mal gemeinsam auf Steinpilzjagd.
Und wer weiß: Vielleicht ist der Steinpilz dann ja auch endlich der Meinung, dass es Zeit wird, sich vorzustellen. 🍄




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